Innehalten

Es sind schwere Zeiten, die wir gerade durchleben. Unbgreifliche Dinge geschehen. Tod und Krankheit sind uns plötzlich ganz nahe. Menschen, mit denen wir gestern noch am Tresen gelacht haben, sind plötzlich nur noch eine durch Schläuche und Kurven definierte Krankenhausakte. Nur der Name des Patienten am Bettende  erinnert noch an das glückliche Leben in einer endlos scheinenden Vergangenheit.
Die Zukunft besteht derweilen aus Hoffnung, die uns, die Zurückgebliebenen tröstet. Wir leben unser Leben weiter, weil wir es können und müssen. Das ist nicht verwerflich, denn die Naturgesetze wollen es so. Auch wenn wir uns manchmal schuldig fühlen, wenn wir in diesen schweren Zeiten über banale Dinge lachen und genüsslich in ein Leberwustbrot beißen, sind wir doch die, die die Erinnerungen bis zu unserem eigenen Ableben bewahren.

Junge Menschen sind plötzlich weg, weil sie im Übermut Dinge getan haben, die wir alle in unserer Jugend einmal getan haben. Wir hatten Glück. Uns ist nichts geschehen. Es hätte aber auch ganz anders kommen können. Jeder, der schon einmal bewusst oder unbewusst das Risiko gesucht hat, weiß das  heute zu schätzen.
Jetzt ist es aber ganz in unserer Nähe passiert, und eine Mutter weint um ihr Kind. Freunde sind untröstlich. Die Welt scheint stehengeblieben und in ihrer Bedeutung auf Erbsengröße geschrumpft. Fremde Menschen, die von der Tragödie hören, halten erstarrt inne.
Sie alle  sind fassungslos und in diesem Moment des Schmerzes zutiefst miteinander verbunden.
Das Leben ist nicht banal. Es ist das wertvollste Gut was wir haben. Alle Möglichkeiten auszuschöpfen, auf sich selbst und andere zu achten, muss einmal mehr unsere wichtigste Aufgabe sein.

Ein Stuhl im Horizont wird demnächst beim Fußball für immer frei bleiben, zwei Rollispuren im nassen Asphalt der Alten Hafenstraße werden Erinnerungen wecken und das Zigarettenholen am Kippenautomaten lässt uns kurz zögern.
Menschen sind von uns gegangen, für immer oder auch nur nur für eine gewisse Zeit?

Ich möchte an dieser Stelle allen Hinterbliebenen mein tiefstes Mitgefühl aussprechen.
In Gedanken werden wir all die Toten und Lebenden ehren. So werden wir die Welt ein klein wenig besser machen! Nur deshalb wurden wir geboren.

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