10 Jahre Horizont – eigentlich Wahnsinn. Wenn ich so vor mich hin sinniere, fallen mir ganz viele Dinge ein. Es ist doch verrückt, da sitzt man hier, deutlich gealtert, und stellt fest: Es ist eine Menge passiert in diesen letzten 10 Jahren. In der Pinte, in der damals alles begann, ist inzwischen die berühmte Havengalerie. Die Anwohner, die damals alles getan haben, um die jungen unbedarften Horizontler zu vertreiben, sind bedeutend ruhiger geworden. Wahrscheinlich färbt die Ruhe der ausgestellten Bilder wohltuend auf die überhitzten Gemüter ab. Nur eins ist geblieben: Wir grüßen uns noch immer nicht! Macht aber nichts. Spätestens auf dem Weg in die Hölle, müssen wir uns über den Weg laufen. Und dann wird abgerechnet! Nichts im Leben bleibt ungesühnt. 
Nach den turbulenten Anfangsjahren mit ganz vielen Eindrücken, verrückten Leuten und schmerzhaften individuellen Prozessen, sind wir dann im Jahr 2012 ein paar Blöcke weiter gezogen. Alle zusammen. Eine gute Entscheidung, weil doch endlich Ruhe einkehrte in den ungleichen Kampf zwischen David und Goliath.
Seit dem fristen wir ein Dasein mit unserem modern antiquierten Konzept. Wir bleiben bodenständig und halten an den alten Traditionen fest. Noch immer ist uns, trotz Medienbooms und Eventgastronomiekacke, das gute alte Gespräch von Mensch zu Mensch ein überlebensnotwendiges Bedürfnis. Wir hüten das Feuer und beschützen den heiligen Gral, auch wenn es manchmal bei Konzerten, Clubabenden und den Werder-Spielen sehr  laut zugeht.
Apropos Werder, diese grün-weiße Socke, dieses geliebte Kind von der Weser, das uns in den letzten 10 Jahren so viele Sorgen bereitet hat. Wir bangen und fiebern noch immer … Auf ewig.
Aus Premiere ist inzwischen Sky geworden (Wer weiß das schon noch?) und aus der Fußballbranche eine gigantische Geldblase. In Zahlen: Kostete 2008 der Abopreis für Premiere noch knapp 900 € im Jahr, sind daraus  bei Sky aktuell 670 € im Monat geworden.Bei weniger Leistung bleibt gemerkt.
10 Millionen Deals im Fußball sind inzwischen Peanuts, weil europäische  Clubs mehr als 100 Millionen für einen einzigen Transfer ausgeben dürfen.
Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Menschen kommen und gehen sehen. Das Publikum im Horizont war nie das gleiche. Oft denke ich mit Wehmut an Freunde zurück, die ich nie wieder sehen werde, freue mich deshalb aber umso mehr, dass es  Leute gibt, die mir von der ersten Stunde an die Treue halten. In einer Kneipe heißen die Besucher Gäste. Gäste sind laut Duden auch lebende Wesen. Ich fand diese Bezeichnung noch nie gut, weil das Wort irgendwie leb- und charakterlos klingt, eher wie ein Gegenstand, der irgendwo abgestellt auf seine Abholung wartet. Dabei sind die Menschen, die den Laden betreten das einzig wirklich zählbare Kapital. Kommen keine Menschen ist der Affe tot. Im wahrsten Sinne der Worte.
Ich denke dabei nicht in erster Linie an die auch nicht zu unterschätzende betriebswirtschaftliche Auswertung. Nein,  ich denke da vor allem an den Charakter des Ladens, der nur von den Menschen, also von Euch, geprägt wird. Kein Bild an der Wand und kein Gegenstand im Regal kann ersetzen, was Ihr dem Laden gebt.
Deshalb verneige ich mich vor Euch, in Demut und in Dankbarkeit.
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass mir gleich ist, welcher Herkunft und Hautfarbe jemand ist, denn ein Mensch ist und bleibt ein Mensch. Die Vielfalt macht es und unsere aller Toleranz trägt dazu bei, diese verkorkste Welt ein Stückchen besser zu machen.  Wir sollten das nie vergessen.
Am 10. Februar werden wir zusammen feiern. Ich freue mich darauf, Euch alle auf ein kleines Schwätzchen zu treffen. Wenn es mir nicht gelingt, jedem die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, bitte ich um Verzeihung. Das ist keine Absicht. Wer mich kennt, weiß das.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr pünktlich um 20 Uhr da seid, denn die coolen Musiker von Traveling Mad verdienen eine volle Hütte. Statt Geschenken zum Geburtstag, wäre es schön, wenn Ihr ein paar Euronen in die Hüte der Künstler versenken würdet. 
Ich möchte nur glückliche Gesichter sehen, weil ja Geburtstag ist. Wenn Tide ab 22 Uhr seine verrückten Platten auflegt, lehnen wir uns alle ganz entspannt zurück und erinnern uns gemeinsam an die alte schöne Zeit.
Übrigens liegt unser berühmtes Gästebuch wieder aus. Verewigt Euch!

Ein Gedanke zu „

  1. Di sagt:

    Du schreibst ja immer so toll Udo!!! 😀
    Die berühmte havengalerie – was für ein Lob! 😀 :*

    Schön, dass es Dich und dein(en) Horizont gibt!!! Mach lange so weiter!

    Deine Dijana

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