Desillusioniert?

Ganz spontan machte ich mich letzte Woche auf den Weg ins Kino. Unterwegs verspürte ich ein wahnsinniges Kribbeln im Magen, und mein Gaumen produzierte unablässig Speichel in Vorfreude auf das knackig süße Popkorn, das sich mir im XXL-Paket kaufen würde.
Irre. Kino. Was für wunderbare Erinnerungen verbinde ich mit den unzähligen Besuchen in den letzten 50 Jahren. Beste Freunde und Freundinnen wurden geknutscht, verführt, befummelt und in diverse emotionale Fallen gelockt. Ganze Abende und Nächte von großen Heldentaten und der Bardot geträumt. Allein „Spiel mir das Lied vom Tod“ habe ich achtmal gesehen. Eine geile Zeit, in der nicht nur der Colt ziemlich locker saß.
Nun sollte ich das endlich wieder erleben. Im „Schauschloss“ lief ein auf Klassik gemachtes Werk über die berühmte Romy S. Der Film war eigentlich Nebensache und die Romy mir sowieso schnurzegal. Ich wollte diese besondere Luft schnuppern, dieses einmalige Flair spüren und mich in eine andere Zeit zurückversetzen lassen, in die Zeit der großen Gefühle und des Erwachsenwerdens. Ein erster Rückschlag – es gab kein Popkorn -, entmutigte mich nicht.
Gespannt ließ ich mich in einen samtroten Sessel in der letzten Reihe fallen. Meine Hand strich vorsichtig über den weichen Stoff: Ja, das ist es, sinnierte ich wohlbehaglich.
Der Vorhang glitt lautlos auf und das überdimensionierte, prächtige Bild ließ meinen Atem stocken: Keine Farbe – alle schwarzweiß! „Hey Leute, was soll das denn?“, wollte ich schon rufen, beherrschte mich aber gerade noch rechtzeitig. Low Budget eben in diesen schweren Zeiten.
Der nächste sich leise ankündigende Schock: Ich begann zu schwitzen, erst leicht und dann immer mehr. Irgendetwas stimmte nicht mit der Sauerstoffzufuhr in diesem Saal. Ich muss was unternehmen. An der Kasse Bescheid sagen oder mich gleich schweratmend auf dem Teppich herum wälzen? Noch bevor auch nur eine Entscheidung reifte, bekam ich einen Krampf im rechten Oberschenkel und streckte mein schmerzendes Radfahrerbein reflexartig nach vorn aus. Wie von der Tarantel gestochen hüpfte vor mir ein glatzköpfiges Männchen auf und versperrte mir armewedelnd endgültig die Sicht auf das ohnehin schon vom Schweiß verschwommene Bild.
Es reicht. Raus hier. Der Traum war ausgelebt. Vor der Tür wieder zu Kräften gekommen, kramte ich nach meinem Smartphone, denn Aufgeben ist nicht gerade meine Stärke. Schnell checkte ich das Kinoprogramm der Stadt.
Diamantpalast, Cinemoritzz, Schaukel, Guckburg, überall der gleiche Scheiß. Darf ich mir nun aussuchen, wo es am Beschissensten ist? Verflixt! Wäre ich nur Zuhause geblieben, jaulte ich innerlich. Da stecke ich den Typen, die eh schon die Taschen voll haben, auch noch meine schwer verdienten Euronen zu.
Wohin ist bloß die Magie von früher verschwunden, dieses wunderbar einmalige Gefühl, als ich noch locker wie ein Rocker im Sessel fläzte und nichts und niemand mir meine Träume zerstören konnte?
Bin ich es, der sich verändert hat oder ist es einfach nur die verrückte Welt, in der Werte offensichtlich keinen Wert mehr haben?
Letztens hat ein Gast im Horizont öffentlich kritisiert, wie ihm in nur einer Nacht alle Illusionen auf eine große Party geraubt wurden. Daran musste ich jetzt denken, jetzt in dem Moment, als es auch noch zu regnen anfing. Ich sprintete ins nächste Café und beschloss nicht „So“ zu sein und mir nicht nehmen zu lassen, was ich ganz tief in mir drin noch immer fühlte.
Ich bestellte mir eine Kaffee und schloss in diesem Moment der Ruhe kurz die Augen.
Und da war es wieder, dieses Kribbeln im Bauch. Ich spürte Demut und eine große Zufriedenheit.
Nein, es war heute kein perfekter Tag und trotzdem hat er mir eine Ahnung davon gegeben, wer ich bin und wo ich her komme. Es ist doch erstaunlich, wie schnell man sich von Äußerlichkeiten völlig aus dem Gleichgewicht bringen lassen kann.
Ich werde es nochmal versuchen mit dem Kino. Und dann bestimme ich, wie die ganze Sache abläuft und es wird ein wunderbarer Tag. Mit einem Lächeln zahlte ich …
Nein, es war heute kein perfekter Tag und trotzdem hat er mir eine Ahnung davon gegeben, wer ich bin und wo ich her komme. Es ist doch erstaunlich, wie schnell man sich von Äußerlichkeiten völlig aus dem Gleichgewicht bringen lassen kann.
Ich werde es nochmal versuchen mit dem Kino. Und dann bestimme ich, wie die ganze Sache abläuft und es wird ein wunderbarer Tag. Mit einem Lächeln zahlte ich …

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