Viertelfinals auf andalusisch!

Andalusien ist einfach großartig. Die Urwüchsigkeit und Kraft der Landschaft wird dem Urbanisierungsbestreben der Menschen widerstehen. Davon bin ich überzeugt, wenn ich von der Terrasse meiner Wohnung auf den breiten Küstenstreifen unter mir schaue.
Die Bergausläufer, die an vielen Stellen bis an das azurblaue Mittelmeer heranreichen, verströmen eine urwüchsig düstere Kraft.
Demut macht sich breit, wenn ich daran denke, auf welchem schönen Fleck der Erde ich einen Teil meiner ohnehin nur sehr begrenzten Zeit verbringen darf.
Die andalusische Küste bietet alles, was einen schönen Urlaub ausmacht. Die einsamen Badebuchten lassen die Besucher schnell vergessen, dass sich ein paar Kilometer weiter der touristische Trubel lautstark in all seinen Facetten austobt. Und trotzdem hat man selbst in Orten wie Nerja oder Almunecar nicht das Gefühl, von Souvenirgeschäften „überfordert“ und von Restaurantguides „gegängelt“ zu werden. Weil sich die Geschäfte zumeist in den guterhaltenen alten Ortskerne abspielen, sind die obligatorischen Hotelburgen wenig auffällig in die Randbezirke der Städte verbannt.
Wer auf Geschichte und klerikale Architektur nicht verzichten will, ist in Städten wie Granada oder Malaga bestens aufgehoben. Natürlich lässt sich dort auch bestens shoppen.
Andalusien im Hinterland bietet traumhafte Straßen durch urwüchsig fruchtbare Täler und über steile Bergkämme, die direkt zu den phantastisch anzusehenden weißen Dörfern führen.
Dort leben noch immer die alten Andalusier, deren sonnenverbrannte Gesichter eine faltige Karte der Umgebung zeichnen, in der sie aufgewachsen sind. Sie sitzen mit einem Conleche oder Cerveza vor den Cafebars und beobachten aus schmalen Augen das Treiben um sich herum. Anerkennend nicken sie, wenn ein verschwitzter Rennradler sich auf einen der Plastikstühle neben sie fallen lässt. Die steilaufragenden Berge fordern eben ihren Tribut, das wissen sie besser als jeder andere Mensch, der sich hier her verirrt.
„Hola Senores“, ruft der Radler erschöpft und schlürft ehrerbietig grinsend seine eiskalte Cola, in der Eisbrocken schwimmen, die direkt aus den Cueavas von Nerja zu stammen scheinen.
Nichts ist in dieser Umgebung klein.
Der Anblick der weißen Häuser, die sich dicht an dicht, scheinbar ineinander gebaut, die steilen Felswände hinaufschieben, lässt viel Spielraum für Phantasien. Ein Gesamtkunstwerk, dessen Entstehung umso wundersamer erscheint, wenn man bedenkt wie und von wo das nötige Baumaterial an diese einsamen Orte gelangt sein könnte. Competa, Torrox oder Frigiliana – einfach grandios, genauso wie das ganze Land!

Natürlich sind die auch die Andalusier fußballverrückt. Sie haben gelitten als ihre Mannschaft gegen die Russen ausgeschieden ist.
Trotzdem hängen sie heute wieder alle vor der Glotze, wenn die Quarterfinals starten. Auch im Horizont sind wir live dabei. 16 Uhr startet die Wochenendsession mit dem Spiel Uruguay gegen
Frankreich, bevor am Abend der Knaller zwischen Brasilien und Belgien die Fans in ihren Bann ziehen wird.

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