Rad am Ring und der Versuch die Dinge zu verstehen

Am Samstag starte ich in eines der großen Radabenteuer meiner späten sportlichen Karriere. Zusammen mit meinem Freund Marc wollen wir auf der berühmten Nordschleife des Nürburgringes mit dem Rennrad in 24 Stunden ganz viele Kilometer sammeln, um möglichst weit vorn im Gesamtklassement zu landen. In der Masters 3 (Ü 50) ist vielleicht auch ein Podestplatz möglich. Das ist aber nur Nebensache.

In diesen Tagen beschäftigen mich ganz andere Dinge. Meine Frau ist an Krebs erkrankt und meine Tochter kämpft einen einsamen Kampf gegen die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Im erweiterten Bekanntenkreis wütet der Krebs genauso erbarmungslos wie in den verheerenden Feuern Griechenlands auf tragische Art und Weise Menschen sterben.
Mich bringt das immer mehr zum Nachdenken.
Oft habe ich mir die Frage nach der Gerechtigkeit im Leben gestellt. Natürlich habe ich keine Antworten erhalten. Wie auch? Es gibt eben nicht den „Einen“, der oben vom Himmel einen Boten mit einer schriftliche Erklärung schickt.

Wenn ich meinen eigenen Wertegang betrachte, bin ich völlig einverstanden mit den Prüfungen, die ich selbst bestehen muss. Die Ursachen meines eigenen Krebses haben ihre Ursprünge. Ich sehe das als ausgleichende Gerechtigkeit für meine „Überheblichkeit“ im Umgang mit dem Leben. Ich habe das akzeptiert und einen Weg gefunden, damit klar zu kommen. Ich hätte, und das meine ich ganz ehrlich, weder gehadert noch gezedert, hätte mich die Natur vorzeitig – wenn es diesen einen Termin überhaupt gibt – aussortiert.

Besäße ich die außerordentlichen Fähigkeiten eines Zauberkünstlers, hätte ich meiner von Geburt an kranken Tochter schon längst einen Teil (oder mehr) meiner robusten Konstitution abgegeben. Welche Mutter oder welcher Vater hätte das nicht getan? Seine Kinder leiden zu sehen, ist eine immense Last. Deshalb ist es auch nicht heldenhaft Organe o.ä.zu spenden. Es wäre eine Selbstverständlichkeit gewesen, die mir auf andere Art und Weise Sinn im Leben gegeben hätte. Leider bleibt mir diese Möglichkeit versagt. Hätte ich einen Wunsch frei …

Dass meine Frau nun auch unter den Folgen einer Krebserkrankung leidet, bestätigt, es hat nichts mit der oben erwähnten ausgleichenden Gerechtigkeit zu tun. Das was als Erklärung für meine eigene Erkrankung taugt, trifft bei ihr ganz und gar nicht zu, vor allem auch deshalb nicht, weil sie ein Mensch ist, der immer für andere ist . Sie hat sich (im weitesten Sinne) nichts zu Schulden kommen lassen.

Der Auslöser für Krebs ist, neben den körpereigenen Voraussetzungen und den politisch und marktwirtschaftlich zwangsweise verordneten Umweltgiften, immer der unbewältigte Stress, der tagtäglich von Außen bewusst und unbewusst  an uns Menschen herangetragen wird. Davon bin ich fest überzeugt!
Wenn man sensibel ist und zu oft „die Welt nicht versteht“, passiert es.
Der Versuch einer Erklärung dafür, dass es sehr oft die Guten trifft!
Skrupellose, gewissenlose Menschen mit den gleichen Veranlagungen bleiben meist verschont.
„Es sind die Starken, die sich am Ende in der Gesellschaft durchsetzen“, werden Evolutionstheoretiker sagen.
Ich sage: „Es sind die Starken, die krank werden, weil sie mit einem Gewissen leben, das emphatisch ist und Werte vertritt, die tief im Menschen verwurzelt sind.

Am Ende mag es ungerecht erscheinen, dass es passiert wie es passiert.
Ich denke aber, es ist gerecht. Es gibt Gesetzmäßigkeiten in dieser Welt, deren Tragweite wir nicht einmal im Ansatz erahnen können. Die Natur schützt die Guten mit Krankheiten und lässt sie frühzeitiger sterben, weil sie sie vor noch schlimmeren Ereignissen schützen will.
Darin liegt ein gewisser Trost und die Erkenntnis, dass es am Ende doch noch diese eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt.

Wenn ich am Wochenende meine Runden auf dem Nürburgring drehe, wenn ich unter der Hitze leide und Krämpfe mich an der 18%-Steigung der „Hohen Acht“ weinen lassen, wenn ich in der Nacht verfluche, dass ich überhaupt Rad fahre, dann werde ich an all die Menschen denken, die sich noch mit viel mehr Leid auseinandersetzen müssen. Das wird mich beflügeln und weiter machen lassen.

Ich fahre auch für Euch und will Euch einen Teil meiner Kraft (ich habe genug davon) abgeben.
Ich werde an Euch denken: Julia, Ella, Manni, Hanse, Moni, Britta, Ralli,  Katrin, Manu … Und ich werde auch an die denken, die es nicht geschafft haben. R.I.P. Ursel, Florian,Christel  und Ralle.

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